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Chinesische Kräuter Bei Paukenerguß
Chinesische Kräuter bei Paukenerguß

Chinesische Kräuter bei Paukenerguß

Paukenerguß

TCM bei Ohrenentzündungen

Ein Paukenerguß oder ein Paukenhöhlenerguß ist eine Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr, die in Verbindung mit Atemwegsinfekten bei Kindern auftreten kann. Normalerweise wird das Mittelohr über einen kleinen Kanal (die Eustachische Röhre) in den Nasen-Rachen-Raum be- bzw. entlüftet. So einen Druckausgleich kann man selber spüren: wenn man Luft in die zugehaltene Nase drückt, dann knackt´s im Ohr. Damit kann man z.B. im Flugzeug beim Landeanflug den Druck im Ohr „ablassen“.

Hinter dem Trommelfell das Mittelohr mit Abfluß nach unten.

Hinter dem Trommelfell das Mittelohr mit Abfluß nach unten.
© Henning Riediger | Fotolia

Bei Infekten kann dieser Kanal zuschwellen, dann fließt Sekret nicht mehr so gut ab. Das muß keine schlimmen Folgen haben, kann aber auch länger anhalten und durch die Hörminderung unangenehme Begleiterscheinungen hervorrufen. Gelegentlich wird ein chronifizierter Paukenerguß mit einem sogenannten Paukenröhrchen behandelt, dadurch wird der Abfluß von Sekret durch das Trommelfell gewährleistet.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin würde man z.B. mit einem Sirup aus Heilkräutern versuchen, den Paukenerguß zur Abheilung zu bringen.

Mit so einem Versuch könnte man (nach Rücksprache mit dem HNO-Arzt) die Zeit bis zum Einlegen eines Röhrchens nutzen und vielleicht eine Narkose einsparen.

Die etablierte wissenschaftliche Schulmedizin  warnt natürlich eher vor der Anwendung der TCM.

Chinesische Heilkräuter – Alles Quatsch?
Chinesische Heilkräuter – Alles Quatsch?

Chinesische Heilkräuter – Alles Quatsch?

Heilkräuter und Malaria

Heilkräuter der TCM: Beifuß

Beifuß (Artemisia annua)

In der traditionellen Medizin Chinas wird Beifuß unter den TCM-Heilkräutern als wirksames Mittel gegen Erkrankungen mit Hitze und Kälte im Wechsel aufgeführt. Schon ca. 300 n.Chr. wird die Artemisia (Beifuß, Qing Hao) bei Erkrankungen mit Wechsel von Hitze und Kälte empfohlen. Alte chinesische Beschreibungen zeigen, daß damit wohl Malaria als die bekannte, durch Fieberschübe gekennzeichnete Infektionskrankheit, gemeint ist.

Der renommierte Sinologe und Medizinhistoriker Paul Unschuld stellt im Oktober 2015 in der Süddeutschen1)http://www.sueddeutsche.de/wissen/nobelpreis-fuer-malaria-forschung-chinas-genugtuung-1.2684569 in einem schönen Artikel die Forschung der Pharmakologin Tu Youyou dar und bettet den Bericht über diese Forschung in den medizinhistorischen Hintergrund ein.

Unschuld beschreibt, wie Tu Youyou „den natürlichen Anti-Malaria-Wirkstoff Artemisinin in einer weltweit verbreiteten Pflanze entdeckt hat, die aber allein in der chinesischen pharmazeutischen Literatur seit mehr als 2000 Jahren beschrieben worden ist.“

Natürlich ist der Erfolg dieser Forschung ein Erfolg der westlichen, wissenschaftlichen Biomedizin. Aber man könnte ihn auch auf einen Hinweis darauf werten, daß in der traditionellen Heilkräuterkunde vielleicht nicht alles nur Dummfug und Hokuspokus ist.

Unschuld: „… war in China in den 1960er-Jahren das Projekt 523 gestartet worden. Dessen Ziel war es, in der antiken chinesischen Literatur nach Hinweisen auf Substanzen zu suchen, die gegen Malaria wirken.“

Weiter beschreibt Unschuld die Entwicklung: “ Erste Versuche, einen geeigneten Malaria-Wirkstoff in dem Kraut qing hao zu finden, endeten allerdings unbefriedigend. Die extrahierten Substanzen erzielten keinen hohen Wirkungsgrad. Erst als Tu Youyou sich noch einmal die Hinweise für die Aufbereitung anschaute, die Ge Hong formuliert hatte, kam Tu Youyou die Idee, dass ein Auszug mit erhitzten Lösungsmitteln wohl nicht der richtige Weg sei. In dem Rezept war von „einweichen und auswringen“ die Rede. Folglich nahm Tu Youyou eine kalte Extraktionsflüssigkeit zu Hilfe. Das war der Anfang für die weitere Entwicklung, die schließlich zum Artemisinin führte, bis heute eines der wichtigsten Malaria-Medikamente.“

Was ich mit alledem illustrieren möchte: Die Aufgabe eines Therapeuten für Traditionelle Chinesische Medizin ist es nicht nur, die richtigen Kräuterrezepturen für einen Patienten zu finden. Hilfreich ist weiterhin, die traditionellen Überlieferungen im Lichte moderner medizinischer und pharmakologischer Forschung zu bewerten und zu nutzen.

Seitens der Schulmedizin wird natürlich vor Anwendung der TCM gewarnt .

Literatur   [ + ]

1. http://www.sueddeutsche.de/wissen/nobelpreis-fuer-malaria-forschung-chinas-genugtuung-1.2684569